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Was sind Legionellen und wo kommen sie
natürlicherweise vor?
Legionellen sind bewegliche
Stäbchenbakterien mit einer durchschnittlichen Länge von 2–5 µm
und einem Durchmesser von 0,5-0,8 µm. Sie kommen in zahlreichen
Arten und Serogruppen weltweit verbreitet in Oberflächenwässern
und auch im Boden vor. Früher nahm man an, dass sie nur im
Süßwasser beheimatet sind, doch können sich Legionellen auch im
Meerwasser halten und vermehren. Aufgrund ihrer natürlichen
Verbreitung kommen Legionellen auch in geringer Anzahl im
Grundwasser vor. Daher ist es selbstverständlich, dass sich in
dem von den Wasserwerken gelieferten Trinkwasser Legionellen
befinden können.
Wenige Legionellen, meist
<1KBE/Liter (- KBE: Kolonienbildende Einheit - ) sind auch im
kalten Grundwasser vorhanden. Bis zu Temperaturen von etwa 20 °C
vermehren sich Legionellen nur sehr langsam, so dass in diesem
Bereich schon wegen der zu erwartenden geringen Konzentration
kein nennenswertes Erkrankungsrisiko besteht. Erst über 20 °C
steigt die Vermehrungsrate allmählich an und ist etwa
zwischen 30 und 45 °C optimal. Ab etwa 50 °C erfolgt meist
kaum noch Vermehrung und bei etwa 55 °C ist diese nicht mehr
möglich und es kommt langsam zum Absterben.
Eine sichere und mit steigenden
Temperaturen zunehmend raschere Abtötung findet erst knapp
oberhalb von
60 °C statt, deshalb erfolgt die thermische Desinfektion,
falls notwendig, mit einer Temperatur von
70°C.
Der über die
Energieeinsparverordnung proklamierte
Warmwasser-Niedrigtemperaturbereich ist somit in Bezug auf das
Wachstum von Legionellen kontraproduktiv.
Vermehrungsorte für Legionellen
sind Wuchsbeläge oder Biofilme, die bevorzugt gebildet werden,
wenn große Oberflächen vorhanden sind, wie z.B. in Filtern oder
in zusätzlichen Ablagerungen durch Kalkausfall, Schlämme oder
Korrosionsprodukte. In derartigen Biofilmen können Legionellen
wirkungsvoll durch zusätzlich produzierte Schleimsubstanzen vor
Desinfektionsmaßnahmen geschützt überleben. Diese Biofilme
stellen ein „Ökosystem“ dar, in dem auch Einzeller, wie
(harmlose) Amöben, vorkommen, die sich wiederum von den dort
vorhandenen Mikroorganismen ernähren. Auch Legionellen werden
aufgefressen, jedoch im Innern der Amöbe nicht verdaut, können
sich dort sogar vermehren und damit anreichern. Auch in
Amöbencysten, die als lungengängige Partikel zu betrachten sind
und Legionellen ebenfalls Schutz vor allen gängigen
Desinfektionsmaßnahmen bieten, sind diese lebendig vorhanden.
1976 kam es in Philadelphia, USA,
zu einer Epidemie, bei der 182 von mehr als 4000 Teilnehmern der
American Legion akut mit Legionella pneumophila an der
sogenannten Legionärskrankheit, einer schweren Pneumonie,
erkrankten; 29 verstarben. Dieser Vorfall führte zu einer
fieberhaften Suche nach der damals noch unbekannten Ursache.
Schließlich konnte der Erreger, der sich wegen seiner Zellwand
nur sehr schwach gramnegativ anfärbte und daher in
Lungenbiopsiepräparaten nicht nachweisbar war, dort mittels der
Silberimprägnierung als Bakterium identifiziert werden. In der
Folge wurden geeignete Anzuchtmedien und serologische
Nachweisverfahren entwickelt. Weltweit konnten, auch
retrospektiv, zahlreiche kleinere Ausbrüche mit schweren
Lungenentzündungen und Todesfällen als „Legionärskrankheit“
bestätigt werden. Zwei größere Vorfälle in jüngster Zeit
ereigneten sich 1999 in Bovenkarspel, Holland, wo es anlässlich
einer Blumenschau durch zwei Whirlpools zu 233 Erkrankungen mit
22 Todesfällen kam, und 2001 in Murcia, Spanien, mit 805
Erkrankungen und 3 Todesfällen über Kühl-/Klimaanlagen. In der
überwiegenden Anzahl handelt es sich jedoch um Einzelfälle.
Bei über 90 % der schweren Legionelleninfektionen kann die Art
Legionella pneumophila nachgewiesen werden und hier wiederum in
etwa 2/3 der Fälle die Serogruppe 1. Aber auch viele andere
Legionellenarten sind pathogen.
Erkrankungen mit Legionellen treten in zwei
unterschiedlichen Verlaufsformen auf, wobei bei beiden
Begleiterscheinungen wie Unwohlsein, Fieber, Kopf-, Glieder-,
Thoraxschmerzen, Husten, Durchfälle und Verwirrtheit vorkommen
können.
Die eigentliche "Legionärskrankheit"
zeigt sich in einer schweren Lungenentzündung, die unbehandelt
in 15-20 % der Fälle tödlich verläuft. Die Inkubationszeit
beträgt 2-10 Tage, in seltenen Fällen bis zu zwei Wochen. In
Deutschland rechnet man jährlich mit 6.000 bis 10.000
Erkrankungsfällen und etwa 1000 – 2000 Todesfällen. Diese
Schätzzahlen gelten als abgesichert, da unabhängige
Berechnungsansätze vergleichbare Werte liefern.
Beim weitaus häufiger vorkommenden
"Pontiac-Fieber" handelt es sich um eine fiebrige,
grippeähnliche Erkrankung mit einer Inkubationszeit bis zu zwei
Tagen, die meist ohne Lungenbeteiligung binnen weniger Tage
abheilt. In Deutschland schätzt man, dass jährlich mindestens
100.000 Erkrankungen vorkommen.
Gefährdet ist prinzipiell jeder,
doch sind vor allem ältere Menschen, Raucher sowie Menschen mit
geschwächtem Immunsystem wie beispielsweise Diabetiker erhöht
betroffen. Allgemein erkranken Männer mehr als doppelt so häufig
wie Frauen. Kinder sind meist nur sehr selten betroffen.
Eine Diagnose sollte durch eine
Anzüchtung von Legionellen auf Spezial-Medien erfolgen. Geeignet
dafür sind Materialien aus den Atemwegen, wie z. B.
bronchoalveoläre Lavage, Trachealsekret, Sputum oder
Lungengewebe.
Eine Infektion kann aber auch
durch Untersuchung des Urins auf Legionellenbestandteile
(sogenannter Legionella-Antigen-ELISA) festgestellt werden.
Allerdings werden damit nicht alle vorkommenden Legionellenarten
erfasst.
Ein Nachweis der Antikörperantwort
gegen Legionellen hat meist nur einen retrospektiven Wert, da
bei einer Legionelleninfektion ein beweisender
Antikörper-Titeranstieg oft erst nach einigen Wochen erfolgt.
Weiterhin ist es möglich, eine
Legionelleninfektion mit Spezialverfahren, wie z. B.
floureszenzserologischen oder molekularbiologischen Methoden
nachzuweisen.
Bei Verdacht auf eine Legionellose
ist ein Arzt oder Krankenhaus aufzusuchen. Bestimmte Antibiotika
sind gegenüber Legionellen gut wirksam. Eine Impfung gegen
Legionellen existiert derzeit noch nicht.
Als Hauptinfektionsweg ist
das Einatmen erregerhaltiger, lungengängiger Aerosole aus dem
Warmwasserbereich anzusehen. Somit stellen insbesondere Duschen
aber auch Aerosole am Wasserhahn Gefahrenquellen dar. Weiterhin
gewinnen Legionellen als Krankheitserreger auch im direkten
Schwimmbeckenbereich zunehmend an Bedeutung, wo neben Whirlpools
auch sonstige mit einer Wasserversprühung oder -verrieselung
versehene Anlagen wie künstliche Wasserfälle, Fontänen und auch
Rutschen eine Rolle spielen können. Ebenso ist eine
Legionellenübertragung über Aerosole von Kühltürmen und
Klimaanlagen bis hin zum Zahnarztstuhl möglich, sofern dies
nicht durch Biozideinsatz, Verdampfung statt mechanischer
Luftbefeuchtung oder Verwendung von Sterilwasser verhindert
wird.
Eine Übertragung von Mensch zu
Mensch findet dagegen nicht statt. Wundinfektionen sind äußerst
selten und auch normales Essen und Trinken spielen keine Rolle.
Lediglich wenn dabei erregerhaltiges Wasser aus Versehen in die
Luftröhre gelangt können Infektionen entstehen. Durch Aspiration
(Einatmen von winzigen Tropfen) kann es auch über Beckenwasser
und Leitungswasser zu Erkrankungen kommen.
Quelle: Bayrisches Gesundheitsministerium
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